Veranstaltung: | Sitzung des Studierendenparlaments 24/25 am 05.08.25 |
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Tagesordnungspunkt: | 4. Anträge |
Antragsteller*in: | Tobias Haase |
Status: | Eingereicht |
Eingereicht: | 31.07.2025, 15:13 |
A2: Gründung des studentischen Referats „Studierendengesundheit“ an der Universität Würzburg
Antragstext
Gründung des Referats „Studierendengesundheit“ an der Universität Würzburg
Gesundheit ist uns ein zentrales Anliegen und zugleich eine Herausforderung für
viele Studierende. Wir begrüßen die Arbeit der Geschäftsstelle Gesunde
Hochschule und möchten gemeinsam als Studierende den Prozess unterstützen, das
betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) der Universität um ein systemisch
verankertes studentisches Gesundheitsmanagement (SGM) zu erweitern und
schließlich gemeinsam zu einem universitären Gesundheitsmanagement (UGM)
überzugehen. Dabei legen wir Wert auf einen „student-centered approach”:
Gesundheit mit, für und durch Studierende gestalten. Wir wollen gesund studieren
und dafür geeignete Rahmenbedingungen schaffen.
Um dieses Ziel zu erreichen, braucht es ein studentisches Referat, das sich
strukturiert, interdisziplinär und universitätsweit für studierendenbezogene
Gesundheitsthemen einsetzt.
Gemäß §9 Abs. 3 der Geschäftsordnung des Studierendenparlaments gründet das
Studierendenparlament das neue Referat „Studierendengesundheit“.
Aufgabenbereich
Der Aufgabenbereich des Referats ist die Vertretung studentischer Interessen im
Kontext von Gesundheitsförderung, Prävention und Problemlösung an der Julius-
Maximilians-Universität Würzburg. Gesundheit betrachten wir dabei in ihrer
physischen, psychischen und sozialen Dimension – auf Ebene des Verhaltens und
den universitären Verhältnissen.
Die Arbeit des studentischen Referats soll eng an und mit bestehenden
universitäre Strukturen, wie aktuell der Gesunden Hochschule
(Gesundheitsmanagement), dem Hochschulsport, dem Zentrum für wissenschaftlichen
Bildung und Lehre, der Kontakt- und Informationsstelle für Studierende mit
Behinderung und chronischer Erkrankung (KIS), der Abteilung Arbeits-,
Gesundheits-, Tier- und Umweltschutz (AGTU), der Suchtberatung, dem Student
Service Center, sowie thematisch relevante Hochschulgruppen, dem
Studierendenwerk und hier insbesondere der Sozialberatung und der
psychotherapeutische Beratungsstelle, erfolgen.
Kernaufgaben und Themen des Referats
- Gesundheitsbezogene Interessenvertretung in universitären Gremien,
Arbeitsgruppen und im Diskurs mit Präsidium, Verwaltung und relevanten
Organisationseinheiten wie der Bibliothek, sowie dem Verwaltungsrat des
Studierendenwerks.
- Einbringen studentischer Perspektiven auf Gesundheit in
hochschulpolitische Prozesse, etwa bei der Ausstattung von Lern- und
Aufenthaltsräumen, der Befüllung von Snack- und Getränkeautomaten,
Personalentwicklung (Gewaltfreie, entstigmatisierende und lernförderliche
Kommunikation) oder bei der Gebäude- und Campusplanung (Erholungsbereiche,
Räume der Stille, „Chill-Out“-Zonen).
- Aufbau und Mitgestaltung des studentischen Gesundheitsmanagements (SGM)
als Erweiterung des bestehenden betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM)
hin zu einem ganzheitlichen, integrierten und nachhaltigem universitären
Gesundheitsmanagement (UGM) – insbesondere durch die Partizipation der
Studierendenschaft in Steuerungsgruppen, Arbeitskreisen und
Maßnahmenplanungen.
- Förderung eines ganzheitlichen Gesundheitsbegriffs: psychisch, physisch,
sozial – mit dem Fokus auf Ressourcenorientierung und -förderung,
Prävention, Problemlösung, Resilienz und Empowerment.
- Förderung navigationaler Gesundheitskompetenz: Studierende sollen schnell,
verständlich und niedrigschwellig passende Hilfe und Angebote finden
können (Website, Info-Material, Mapping, Kampagnen).
- Thematisierung des Umgangs und Prävention von Substanzkonsum (Alkohol,
Nikotin, Ritalin, Cannabis und weiteren Substanzen) und Suchtverhalten
(Glücksspiele, Videospiele …) im studentischen Alltag.
- Integration von Peer-to-Peer-Ansätzen, z. B. durch Ausbildung und
Unterstützung von studentischen Ersthelfenden für psychische Krisen, mit
regelmäßigem Kontakt und der Integration von Wohnheimstutor*innen.
- Förderung von Achtsamkeits- und Selbstregulationskompetenz als Grundlage
für gesundes, selbstgesteuertes Lernen – z. B. durch Workshops, Programme,
Awareness-Kampagnen und digitale Angebote.
- Initiierung und Begleitung gesundheitsbezogener Pilotprojekte mit
Erfassung von Zufriedenheit, Evaluation von Bedarfen und Formulierung von
Empfehlungen für Studium, Lehre und Campusgestaltung.
Das Referat führt, entsprechend der bisher gelebten Praxis in der
Studierendenvertretung, seine Aufgaben autonom aus. Es ist in öffentlichen
Äußerungen – soweit vorhanden und sachdienlich – an die Beschlüsse des StuPas
gebunden.
Weiterführende Literatur:
Beschluss des Bayerischen Landesstudierendenrats zur studentischen Gesundheit
(15.12.2024). https://baystura.de/wp-content/uploads/2024/12/2024-12-15-
Studentische-Gesundheit.pdf
Handbuch „Gesundheitsmanagement“ der Julius-Maximilians-Universität Würzburg
(November 2024). https://www.uni-wuerzburg.de/fileadmin/9912-gesunde-
hochschule/UNIWUE-GH_Handbuch-Orga_241127-RZ.pdf
Begründung
Ein gesundes Studium ist keine Selbstverständlichkeit – weder strukturell noch kulturell. Viele von uns Studierenden erleben ihren Alltag zunehmend als belastend: Psychische Belastungen, soziale Isolation, Bewegungsmangel, unsichere Wohn- und Lebensverhältnisse (auch finanziell), fehlende Rückzugsräume und bewusste wie auch unbewusste gesundheitsschädigende Verhaltensmuster sind in der ein oder anderen Form für viele von uns Realität. Auch Angebote wie gesundheitsförderliche Ernährung (z. B. über Snack- und Getränkeautomaten), Wasserspender, ergonomische Lernplätze, dezentrale Bewegungsmöglichkeiten durch Sportgeräte wie Tischtennisplatten oder eine verlässliche, trainierte Ansprechperson in Krisensituationen sind bislang eher die Ausnahme – ebenso wenig wie Achtsamkeitstrainings, Anti-Stress-Programme oder Räume für kreative Erholung.
Ein Studium kann nur dann wirklich erfolgreich sein, wenn wir als Studierende physisch, psychisch und sozial gesund bleiben. Dafür braucht es passende Rahmenbedingungen (insb. Strukturen, Prozesse, Räume und Beziehungen) die Gesundheit nicht nur als individuelle Aufgabe delegieren, sondern als gemeinschaftliche Verantwortung gestalten. Das bedeutet konkret auch: Unsere navigationale Gesundheitskompetenz muss gestärkt werden – etwa durch bessere Information über bestehende Unterstützungsangebote (insbesondere auch für internationale Studierende), eine zentrale Übersicht über Anlaufstellen wie die psychologischen/psychotherapeutische Beratungen, Hochschulambulanz, Suchtberatung oder den Hochschulsport.
Ein finales universitäres Gesundheitsmanagement muss aus unserer Sicht weit über den betrieblichen Gesundheitsschutz hinausgehen und ein lebendiges studentisches Gesundheitsmanagement (SGM) umfassen, das aus studentischer Perspektive denkt und agiert. Dazu gehört auch, unsere wachsende Belastung im Ehrenamt der Studierendenvertretung ernst zu nehmen: Wir sind für andere da, brauchen aber auch selbst Strukturen der Entlastung, ggf. Supervision und Selbstfürsorge.
Das geplante Referat „Studierendengesundheit“ soll ein Ort der studentischen Mitgestaltung sein. Wir verstehen uns als Vernetzungs-, Reflexions- und Impulsraum: Für gesundheitsfördernde Maßnahmen, eine partizipative Studienkultur und den Aufbau langfristiger Strategien im Sinne eines „student-centered“ Gesundheitsmanagements.
Neben den im Antrag genannten Kernaufgaben und Themenschwerpunkte des Referats, möchten wir folgende Aspekte besonders hervorheben:
- eine Stärkung der Prävention und Gesundheitsförderung (z. B. MHFA-Ausbildungen, Anti-Prokrastinationsprogramme, Study Retreats, gemeinsame Lernsessions oder Offline-Clubs)
- die Integration von Bewegung und Entspannung in den Studienalltag (z. B. Sport-Ausleihstationen, Bikesharing auf dem Campus, dezentrale Angebote, Outdoor-Fitness-Bereiche, Räume der Stille)
- die Verbesserung der Studienbedingungen (z. B. aussagekräftigere Workload-Erhebungen, Teilzeitoptionen, Lernräume mit Atmosphäre die Sicherheit ausstrahlen und ein Wohlfühlklima schaffen, kostenfreie Menstruationsprodukte, Wasserspender)
- die Förderung eines diskriminierungssensiblen Miteinanders (z. B. regelmäßige Gesprächsformate zu Sexismus, Stress oder Diskriminierung)
- die transparente Aufklärung über Rechte (z. B. zu Arbeitszeit- und Urlaubsregelungen bei studentischen Hilfskräften oder zu Nachteilsausgleichen)
- die Einbindung bestehender Akteur*innen (z.B. Hochschulsport, der AGTU, dem Studierendenwerk und besonders auch Wohnheimtutor*innen)
- die Bewusstseinsbildung für eine Lehrkultur unter den realen Bedingungen des Lernens, einschließlich der Frage, wie Belastungen zwischen Lehrenden und Lernenden fair verteilt werden
Eine gesunde Hochschule ist ein kreativer, leistungsfähiger und zukunftsorientierter Ort. Sie fördert nicht nur die Selbstregulation und Leistungsfähigkeit Einzelner, sondern auch den sozialen Zusammenhalt, Innovationen und Wissenstransfer in die Gesellschaft.
Ein strukturell verankertes studentisches Referat „Studierendengesundheit“ ist notwendig, um diese Ziele gemeinsam zu erreichen – als Schnittstelle für Studierende untereinander und zur Universität, für studentische Changemaker und als Raum, in dem studentische Perspektiven auf Gesundheit sichtbar, wirksam und nachhaltig werden.